Sollten ehemalige Mitarbeiter des Komplexes 5000 hier lesen, dann würden wir uns über eine Kontaktaufnahme sehr freuen. Im Rahmen der Dokumentation gibt es noch viele offene Fragen, für die Hilfe benötigt wird. Sie erreichen Jürgen Freitag über die E-Mail Adresse jfreitag@bunker5001.com. Hinweise werden auf Wunsch selbstverständlich vertraulich behandelt.
| Bunkertour Made in USA, Teil 4 - Greenbrier |
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| Geschrieben von: Jürgen Freitag |
| Donnerstag, den 05. November 2009 um 22:02 Uhr |
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"Ich bin nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, Albert Einstein Nach einem Flug, der etwas länger dauerte als geplant, einem katastrophalen Gewitter über Washington und einem total blockierten Highway, fanden wir gegen Mitternacht eine Notunterkunft. Es war eines dieser Motels, in denen in diversen Thrillern der Highwaymörder zuschlägt. Wir haben es überlebt, auch wenn ich immer wieder aus dem Schlaf hochfuhr, weil es sich so anhörte, als streiften die vorbeifahrenden Trucks mein Bett. Nicht so richtig ausgeschlafen, fuhren wir am nächsten Morgen die restlichen 150 Meilen bis Greenbrier. Der kleine, in West Virginia gelegene Ort, wurde durch seine schwefeldioxidhaltige Quelle bekannt. Schon 1858 wurde ein respektables Hotel errichtet, das nachfolgend einen fünf Sterne Status erreichte.
Diese Hotelanlage wollten wir besuchen, doch nicht die Luxusappartements interessierten uns, sondern der Keller. Diese Untergeschosse haben nämlich einige Besonderheiten. Sie sind in der Atomhysterie der 1950er Jahre entstanden. Es war Präsident Eisenhower der festlegte, dass ein Bunker für die 535 Kongressabgeordneten zu bauen ist. Heute kaum noch vorstellbar, werden die Baukosten mit 14,8 Millionen Dollar angegeben. Diese Gelder hat man als Ausgaben für die Instandhaltung der Eisenbahn getarnt. Der als „Projekt griechische Insel" bezeichnete Bunker wurde von 1958-1962 von der Chesapeake and Ohio Railway Copany errichtet. Als Legende für den Bau wurde die Hotelerweiterung genutzt und so sind der West Virginia Flügel eigentlich nur die Tarnaufbauten. Die unterirdische Anlage besteht aus zwei Etagen mit 70 Zentimeter dicken Stahlbetonwänden, einer 2,50 Meter dicken Decke und mehreren schweren Stahltüren, von denen die größte 28 Tonnen wiegt.
Im Bunker war alles, für die Arbeit der Kongressabgeordneten Notwendige, vorhanden. Ein Sitzungssaal, zwei weitere große Säle die man mit Hilfe von stoffbespannten Trennwänden in Büros hätte aufteilen können. Neben den Arbeits- und Ruheräume für gehobenere Ansprüche, waren Unterbringungsmöglichkeiten für über 1000 Menschen mit einer Bevorratung für 60 Tage vorhanden.
Alles im Flair der 1960er Jahre. Auch wenn es im Objekt Traube in Rüdersdorf nicht so einen schicken Sitzungssaal gegeben hat und Greenbrier defakto ein Grabenschutzbauwerk ist, gibt es in bestimmten baulichen Ausführungen einige Übereinstimmungen. Die Wasserbehälter, die Rohrleitungs-und Kabelverlegung, Stahlblechlüftungsleitungen und auch die Schnellschlussventile weisen große Ähnlichkeiten auf. Neben den technischen Einrichtungen für die Lebenserhaltungssysteme gab es auch ein Krematorium. Sogar die Vertreter der Kirchen waren vor Ort, um im Ernstfall Trost zu spenden. Noch heute wird bei der Führung die Legende gepflegt, dieses Objekt wäre bis 1992 absolut geheim gewesen und erst durch einen Journalisten der „Washington Post" enttarnt worden. Eine Geschichte für Gutgläubige. Es mag schon sein, dass nicht alle amerikanische Kongressabgeordnete davon wussten, dafür aber die Sowjetunion. Im Prinzip waren fast alle amerikanischen Atombunker aufgeklärt und Greenbrier stand in der Zielliste bestimmt im vorderen Drittel. So war es möglich, dass die US Regierung diese Altlast loswerden wollte und da ist solch ein Artikel recht hilfreich. Denn spätesten ab den 1970er Jahren war die schutzbautechnische Konzeption dieses Bunkers eher fraglich. Abgesehen von den relativ schwach ausgelegten Außenwänden und der Decke, ist nach dem was ich beurteilen konnte, auch die Statik und Steifigkeit der Gesamtkonstruktion kaum größeren Waffenwirkungen gewachsen (die im Saalbild erkennbaren Säulen sind modernisiert und bestehen ca. zur Hälfte aus Trockenbau, denn im Inneren befindet sich Kommunikationstechnik und Verkabelung). Da der Bunker in einen Berg hinein gebaut ist, liegt ein Teil einer Außenwand praktisch oberirdisch, kein guter Ausgangspunkt für eine auflaufende Druckwelle. Zum Glück wurde er nie auf seine Standfestigkeit geprüft und ich bin froh, für die Insassen sowie den Rest der Welt.
Oberirdischer Teil der Bunkeraußenwand
Eine absolute Spitzentechnologie gibt es aber doch noch zu sehen und das ist der Übergang zur im Erdgeschoss gelegenen Hoteletage. Hier befindet sich auch eine große Stahltür, von etwa 2,50 x 3,00 Metern und 8 Tonnen schwer. Diese ist aber so geschickt angeordnet, dass man sie, im geschlossenen wie auch im geöffneten Zustand, mit einer Wandverkleidung abdecken konnte. So waren die dahinter gelegen großen Säle für verschiedene Veranstaltungen nutzbar und logistische Einrichtungen konnten getestet werden. Keiner der uneingeweihten Anwesenden ahnte, dass er sich in einem Bunker befand.
Bei der Besichtigung ist jetzt noch ca. ein Drittel zu sehen und alles ist gut erhalten. Der Rest wird von einigen amerikanischen Spitzenfirmen zur Datensicherung genutzt. Hier sind die Amerikaner halt cleverer und nutzen ihre Ressourcen. Ein netter Ausflug für die Familie, „harte Bunkerkerls" sind vielleicht etwas enttäuscht. Mit dem Bunker in Greenbrier hatten wir unsere letzte Station abgearbeitet. Wir sind über 2000 Meilen quer durch die USA gefahren und haben viel von diesem weiten Land gesehen. Es war eine unvergessliche Erfahrung und ich bin Amerika etwas näher gekommen. Einige Fragen wurden beantwortet und neue sind dazu gekommen. Doch eines ist mir auf jeden Fall klar geworden, auch wenn diese Frage von einigen anders beantwortet wird. Einen wirklichen Sieger im Kalten Krieg hat es nicht gegeben. Dafür haben Ost und West zu viel verloren und zu viele Menschen ihr Leben gelassen. Mit den dafür verschleuderten Mitteln hätte man die ganze Erde, in „blühende Landschaften" verwandeln können. Für heute mit freundlichen Grüßen, Jürgen Freitag |
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