Gemeinsam erfolgreich

Durch folgende Schritte helfen Sie uns, den
"Honecker-Bunker" als Museum zu öffnen:

1 Folgen Sie uns,

um informiert zu bleiben

2 Teilen Sie Inhalte,

um Andere zu gewinnen

3 Spenden Sie,

damit das Projekt Erfolg hat

Honeckers Bunker in 3D

"Objekt 17/5001" lautete die schlichte Bezeichnung für eines der aufwendigsten Geheimprojekte der DDR Ende der 70er-Jahre. Die geheime DDR-Führungszentrale kann jetzt zumindest virtuell besichtigt werden.

Thomas Fülling

Berlin - Versteckt in den Wäldern nördlich von Berlin ließ sich der damalige Partei- und Staatschef Erich Honecker eine Kommandozentrale für den "Ernstfall" bauen. Mindestens zwei Wochen lang wollte er dort mit engsten Genossen selbst einen Atomkrieg überstehen.

Die deutsche Wiedervereinigung 1990 ließ den erst sieben Jahre zuvor fertiggestellten milliardenteuren Bau - er gilt als vollkommenste Bunkeranlage des Warschauer Paktes - faktisch über Nacht überflüssig werden. Doch das Interesse an dem bis in 24 Meter Tiefe reichende Bunkersystem - in seinen Ausmaßen etwa halb so groß wie der "Palast der Republik" - ist bis heute ungebrochen. Nach der 1993 erfolgten "Stilllegung" der "Ausweichführungsstelle des Nationalen Verteidigungsrates der DDR" - so die offizielle Bezeichnung für das Objekt 17/5001 - durch die Bundeswehr, setzte ein regelrechter Bunkertourismus ein.

Hobby-Historiker, Abenteurer, vor allem aber dreiste Diebe versuchen immer wieder in das beinahe endlose Labyrinth aus 176 Räumen auf drei Ebenen einzudringen. Mitgenommen wird von dort alles, was sich irgendwie zu Geld machen lässt: Kabel, Maschinenteile, DDR-Militaria. Es gab regelrechte Plünderungen. Sehr zum Ärger des neuen Eigentümers des Bunkers, des Senats. Denn das Land Berlin hatte nach der Wiedervereinigung nicht nur seine Stadtgüter in Brandenburg zurückbekommen, sondern auch die Wälder und alles, was darin verborgen ist. Seither müssen sich die Förster nicht nur um die Wild- und Baumbestände kümmern. "Wir sind aber weder Polizisten, noch Wachschützer und auch keine Museumsführer", sagt der Pankower Forstamtsleiter Romeo Kappel.

Um den anhaltenden Raubzügen Einhalt bieten zu können, beschloss die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung im Mai 2005, das "Objekt 17/5001" dauerhaft zuzumauern. Allerdings nicht, ohne das Innere des Honecker-Bunkers dokumentieren zu lassen. Ist doch die gesamte Anlage wegen seiner technischen Einmaligkeit 1999 zum Denkmal erklärt worden.

Beauftragt mit diesen Arbeiten wurde schließlich das Berliner Bunker-Netzwerk (BBN). Der 2002 gegründete ehrenamtliche Verein - Motto: "Dem Geheimnis auf der Spur" - hat sich die Sicherung und wissenschaftlichen Dokumentation unterirdischer Bauwerke auf seine Fahnen geschrieben. "Der Bunker 5001 hat wegen seiner Einmaligkeit natürlich unserer besonderes Interesse hervorgerufen", sagt Vereins-Geschäftsführer Sebastian Tenschert.

Von Anfang an war geplant, das Dokumentationsmaterial Interessenten auch zugänglich zu machen. Möglich wird dies in einer Ausstellung des BBN in einer nicht genutzten Zivilschutzanlage südlich des Potsdamer Platzes, die gestern eröffnet wurde. "Die Schutzräume lassen ein wenig von der Atmosphäre im Honecker-Bunker aufkommen", sagt Tenschert. Wichtigster Teil der Schau ist eine Video-Anlage, mit deren Hilfe Aufnahmen aus dem Inneren des Bunkerlabyrinths dreidimensional dargestellt werden. Detailliert zu sehen ist etwa die Entgiftungsschleuse, durch die bei einer atomaren Verseuchung jeder hindurch gemusst hätte. Gezeigt wird auch die gigantische Technik des Bunkers. So sind alle Funktionseinheiten - tonnenschwere Container - freischwebend an Decken montiert, damit sie die Erschütterungen einer A-Bomben-Explosion überstehen. Berechnet wurden die Anlagen nach der Sprengkraft der Hiroshima-Bombe. "Technisch war das damit längst überholt", sagt Tenschert. Man wolle zeigen, wie von der DDR Ressourcen sinnlos vergeudet wurden.

Ausstellung: Eingang neben dem Europahaus, Stresemannstraße 94 (S-Bhf. Anhalter Bahnhof). Geöffnet: Jeden Sonnabend, 14-20 Uhr. Eintritt: 6, erm. 5 Euro. Führungen zu anderen Zeiten nach Anmeldung: Tel.: 0174-3 23 29 21. Tickets: 9, erm. 7 Euro. Infos: www.bbn-ev.de

Diesen Artikel mit Freunden teilen:

Newsletter

captcha