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Honeckers Endzeit-Zentrale

Jens Blankennagel

Berlin lässt den einstigen DDR-Regierungsbunker dicht machen - sein Pendant im Westen dagegen ist ein gefragtes Museum

AHRWEILER/PRENDEN. Steile Hänge, dichte Eichenwälder, Weinberge und zahllose Wanderwege - es ist idyllisch-schön im Tal der Ahr. Seit Generationen zieht es nicht nur Einheimische zu Ausflügen an den Nebenfluss des Rheins. Seit März wollen vielen Besucher dort nun auch noch unter die Erde. Denn 25 Kilometer südlich der alten Bundeshauptstadt Bonn kann man eines der bestgehüteten Geheimnisse des Kalten Krieges besichtigen: den Regierungsbunker. In dieser Betonfestung tief im Weinberg sollten 3 000 Führungskräfte der alten Bundesrepublik samt Entourage einen Atomschlag überleben. Die unterirdische Kleinstadt wurde in den vergangenen Jahren leergeräumt, "rückgebaut" und verschlossen. Übrig blieb ein 203 Meter langer Tunnel mit Eingangsschleuse und ein Museum. "Wir haben seit Anfang März bereits 20 000 Besucher", sagt Heinrich Weitzels vom Heimatverein Alt-Ahrweiler, dessen 40 ehrenamtliche Mitglieder den Bunker betreuen. "Wir sind zufrieden mit den Besucherzahlen."

Kabel gestohlen

Auch die DDR hatte - im geteilten Deutschland gab es derartige Geheimnisse beiderseits des Eisernen Vorhangs - einen Regierungsbunker. Nur, dass der ganz anders als im Westen touristisch überhaupt nicht erfolgreich ist. Zwar befindet sich der sogenannte Honecker-Bunker (Objekt 17/5001) am Rande des Dorfes Prenden (Barnim) gleich an der Autobahn A 11. Doch Besucher aus dem 40 Kilometer entfernten Berlin zieht es eher zum nahen 120-Hektar-Golf-Platz.

"Ich habe ein Teil des Bunkergeländes gemietet und will hier seit 1993 ein Museum des Kalten Krieges betreiben", erzählt Siegfried Rose. Der 64-Jährige war bis 1992 für die Bundeswehr der letzte Bunkerkommandant und betreibt hier eine Schießanlage. Die wird nicht gerade überrannt. Rose glaubt, der Besucherstrom wäre deutlich größer, wenn er sein Museum eröffnen dürfte. Doch das Areal gehört der Stadt Berlin - und die will ihm keine Genehmigung erteilen.

"Ich will alles allein finanzieren, ohne Fördermittel, will zehn Leuten einen Job geben, will Führungen für zehn Euro pro Besucher anbieten", sagt Rose. Dutzende Brief hat er geschrieben, an den Regierenden Bürgermeister von Berlin, an alle Abgeordneten - ohne Erfolg.

Inzwischen haben Metalldiebe die Zugänge zum Bunker immer wieder geknackt und massenhaft Kupferkabel gestohlen. "Als wir den Bunker damals übergeben haben, war er komplett funktionstüchtig, inzwischen ist er zu großen Teilen ausgeplündert", sagt Rose. Er habe bereits 35 000 Euro investiert - vor allem, um das Gelände zu bewachen und die Einbruchslöcher der Diebe wieder zu schließen. "Ich bin weiterhin bereit", sagt er. "Wenn ich scheitere, hat doch die Stadt Berlin keinen Nachtteil."

Das Gelände sieht aus wie viele verlassene Kasernen im Osten: leere Garagen, drei Plattenbauten für die Soldaten, leere Munitionslager, eine Tankstelle. Die Natur erobert sich das Terrain zurück, überwuchert alles. Im früheren Stabsgebäude sind alle Scheiben eingeworfen. Dort hätte die DDR-Führung im Krisenfall gesessen und sich im Kriegsfall durch den 200 Meter langen Tunnel in den Bunker zurückgezogen.

Das Gebäude ist innen völlig zerstört, eine Uhr im Flur steht passenderweise auf "5 vor 12". Eine schwere Tür im Keller führt zum Bunker, sie ist zugeschweißt. "Diebe haben auch sie immer wieder aufgebrochen", sagt Hobby-Bunkerforscher Paul Bergner aus Basdorf. Es sei eine Schande, dass seit Jahren kein Besucher hinab dürfe in diesen Bunker - "immerhin der modernste des Ostblocks außerhalb der Grenzen der einstigen Sowjetunion". "Er ist das betongewordene Denkmal des Kalten Krieges", sagt der 69-Jährige. "Begehbar, anfassbar, anschaubar und erlebbar ist hier die Absurdität der damaligen Zeit, in der dort unten 300 Leute gerade mal 14 Tage hätten überleben können."

Unter der Erde bietet sich ein eher bedrückendes Bild: dünne Luft, lange Gänge, Wasser tropft von den Wänden, kleine enge Gänge, kleine enge Räume. Die Diebe haben sogar unter den Bettdecken der Soldaten nachgeschaut, ob sich nicht doch noch ein Andenken findet. Es ist ein trostloser Ort: So langweilig wie ein leerer Betonkeller. Aber da der Besucher weiß, wer hier den Atomkrieg wenigstens für ein paar Tage überleben wollte, ist es für ihn dann doch spannend, durch die endlosen Gänge zu irren.

Letzte Chance

Die Forstverwaltung, die das Areal für den Berliner Senat verwaltet, sieht keine Chancen für einen langfristen Bunkertourismus. "Wir gehen davon aus, dass deutlich zu wenige Leute zu diesem Bunker kommen würden", sagt Marc Franusch, Sprecher der Berliner Forsten. Zu dem von Siegfried Rose eingereichten Konzept für ein Museum sagt er: "Es liegt keine Idee auf dem Tisch, wie dieses Objekt wirtschaftlich realistisch betrieben werden kann." Nach langen Gesprächen mit Fachleuten, Interessenten und dem Verein Berliner Bunker Netzwerk sei die Entscheidung gefallen, die Anlage zu verschließen. "Dieses Denkmal soll nicht für immer beseitigt, sondern vor weiterer Beschädigung geschützt werden", sagt Franusch. Ein illegales Eindringen werde künftig so gut wie ausgeschlossen. "Aber wenn jemand eine gute Idee und ein tragfähiges Konzept hat, sind wir zu Gesprächen bereit."

Ende des Jahres soll also vorerst endgültig Schluss sein. Doch zuvor dürfen alle Bunker-Fans ab 2. August noch einmal hinab in das Betonverlies, um Honeckers schlichte Endzeit-Zentrale zu bestaunen.


Milliarden-Gräber

OST: Das "Objekt 17/5001" bei Prenden (7 500 Quadratmeter Nutzfläche) sollte im Krisenfall eine DDR-Notstandsregierung schützen, es war bis zur Schließung mit 20 Mann gesetzt.

Ende: 1993 wurde der Bunker zubetoniert, ein Teil der Aggregate war zuvor verkauft worden. 2003 zum Denkmal erklärt, wurde er immer wieder aufgebrochen. Ein Museum ist nicht geplant.

Führungen: Vor der endgültigen Schließung bietet der Verein Berliner Bunker Netzwerk (BBN) vom 2. August bis 26. Oktober täglich zweistündige Führungen (20 Euro/ Person) und vierstündige Spezialtouren (100 Euro) an. Anmeldung im Internet nötig: www.bunker5001.com, Infos: Tel. 0151/50455001.

Buch: Alle wichtigen Bunker der DDR und viele der alten Bundesrepublik erklärt Paul Bergner in "Atombunker Kalter Krieg" (896 S., 39,80 Euro, ISBN 978-3-930588-78-7). Infos über weitere Bücher im Internet: www.ddr-bunker.de

WEST: Der Bunker der Bundesregierung, 25 km südlich von Bonn im Ahrtal, wurde 1960 bis 1972 gebaut (83 000 Quadratmeter Nutzfläche, Kosten geschätzt: 600 Mio. bis 3 Mrd. Mark). In dem 17,3 Kilometer langen Tunnelsystem sollten nach einem Atomschlag 3 000 Regierungsmitglieder und Mitarbeiter 30 Tage lang ausharren. Jährliche Betriebskosten: 20 Millionen Mark.

Museum: 1997 beschloss die Bundesregierung, die Anlage aufzugeben. Veranschlagte Kosten des Rückbaus: 30 Mio. Euro. Die Räumung des Tunnels kostete 16 Mio. Euro. Insgesamt 203 Meter dieser "Festung des Atomzeitalters" wurden im Originalzustand belassen, dazu kam für 2,5 Mio. Euro ein Museum des Kalten Krieges, die "Dokumentationsstätte Regierungsbunker". Infos: www.bunkermuseum-ahrweiler.de

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