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Zu Gast in Erich Honeckers Atombunker

Alexander Kruse

Prenden. 84 000 Tonnen Beton sollten Erich Honeckers Überleben sichern. Heute steht der Bunker, der für den DDR-Staatschef gebaut wurde, unter Denkmalschutz. Ende des Jahres wird er geschlossen und verplombt. Doch erst mal steht er ab August Neugierigen offen. Ein Besuch in 24 Metern Tiefe.

15 Minuten hat Erich Honecker es in seinem Superbunker ausgehalten, dann musste er raus. An die Luft, ans Tageslicht! Dabei hatte man versucht, es ihm so angenehm wie möglich zu machen, 24 Meter unter der Erde, umgeben von 84 000 Tonnen Stahlbeton. Sogar an einen Blümchenvorhang in der Dusche für radioaktiv Verseuchte wurde gedacht.
Was den damaligen Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrats (NVR) der DDR am 13. Dezember 1983 bei der feierlichen Einweihung des technisch aufwändigsten Bauwerks innerhalb des Ostblocks so schnell wieder an die Oberfläche getrieben hat, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen. Fest steht, dass Honecker den 30 Kilometer nordöstlich von Berlin gelegenen „Bunker 17/5001" nach diesem Tag nie wieder betreten hat. Es gab ja auch keinen Grund dazu. Zum atomaren Angriff auf die DDR, bei dem das Bauwerk ihm und etwa 400 NVR-Mitarbeitern und SED-Funktionären 14 Tage lang das Überleben gesichert hätte, ist es nie gekommen.

Heute, 18 Jahre nach der offiziellen Beilegung des Kalten Krieges, steht der nach seinem wichtigsten potentiellen Insassen benannte „Honecker-Bunker" unter Denkmalschutz. Von August bis Oktober wird er erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Danach jedoch gleich mit einer Betonplombe für immer verschlossen.

Zwei auf den nackten Boden gemalte Linien geleiten in das Bauwerk: eine blaue und eine rote. „Die blaue Linie führt direkt in die Aufenthaltsräume", sagt Hannes Hensel und leuchtet mit seiner Taschenlampe in einen langen leeren Gang. „Der roten Linie hätten diejenigen folgen müssen, die radioaktiv verseucht waren. Sie endet in der chemischen Dusche."

Hensel muss sich schon lange nicht mehr an den Linien orientieren. Der 37-jährige Leiter der Projekts „Bunker 5001" kennt das dreistöckige unterirdische Bauwerk mit seinen mehr als 300 Räumen mittlerweile in- und auswendig. Seit zwei Jahren klettert der Mann mit den raspelkurzen dunklen Haaren und dem staubigen Wollpullover mehrmals pro Woche in die Tiefe, um den Bunker zu erforschen und zu fotografieren.

Hier, tief unter der Erde eines idyllischen Kieferwäldchends nahe dem kleinen Dorf Prenden, fühlt es sich an als wären die Sinne betäubt. Tiefe Dunkelheit und absolute Stille legen sich wie eine schwere Decke über jeden, der in den Bunker hinabsteigt. Moderige, kalte Luft lässt die Atmung flacher werden. Zu sehen ist nur das, was der Lichtstrahl der Taschenlampe preisgibt.
„Der Bunker gleicht einer Kleinstadt unter der Erde", sagt Hensel und leuchtet in den nächsten Raum. Ein großer Herd im 70er-Jahre-Design ist zu erkennen, daneben in einem Regal stehen verstaubte Tassen, Essbesteck und ein leeres Einmachglas: „Mischkompott aus Budapest".

Vier Gänge führen von der Großküche weiter ins Bunker-Innere. Vorbei an weiß gekachelten Operationssälen, Waffenkammern, einem Wasserwerk und Dutzenden von Schlafräumen, gelangt man schließlich in den wichtigsten Raum der Anlage: dem sogenannten „Dispatcher". In der Schaltzentrale des Bunkers wäre im Fall eines atomaren Angriffs die Versorgung der Insassen mit Wasser, Strom und Luft geregelt worden. An einem großen grauen Schaltpult wurde die Technik geregelt. Russische Beschriftungen erläutern die Knöpfe, Hebel und Anzeigen. „Zwei Wochen hätten die NVR- und SED-Mitglieder hier überleben können", sagt Hensel, „dann hätte sie mit Atemmasken und Schutzanzügen raus gemusst."

100 Millionen Ost-Mark wurden für den Bunker verbaut. Seine Planer gingen davon aus, dass der Schutzbau einer Atomwaffe mit der vielfachen Kraft der Hiroshima-Bombe standgehalten hätte.

Der Honecker-Bunker war quasi unzerstörbar. Und er ist es bis heute. 45 000 Kubikmeter Beton in einer 24 Meter tiefen Baugrube lassen sich nicht mehr entfernen. Um die denkmalgeschützte Anlage vor Plünderern und Vandalen zu schützen wurde sie 1993 von der Bundeswehr verschlossen. Einbrüche und Diebstähle gab es trotzdem immer wieder.

Mischkompott aus Budapest

Damit soll jetzt Schluss ein. Hensel und sein Team haben das Bauwerk vollständig fotografiert und dokumentiert. Nun bereiten sie noch die erste und einzige öffentliche Besichtigung des Bunkers vor.

Von den Eintrittsgeldern wird eine Betonplombe finanziert, die das Bauwerk dicht macht. Honeckers Schlafzimmer, die Duschen mit dem Blümchenvorhang und das Glas für „Mischkompott aus Budapest" werden für immer im Bauch des Bauwerks eingeschlossen.

Hannes Hensel bedrückt und erfreut die Vorstellung zugleich: „Mir wird das Herz bluten, wenn der Beton in den Zugangstunnel gegossen wird. Aber wahrscheinlich wird es mich auch erleichtern, zu wissen, dass auf diese Weise eines der beeindruckensten Bauwerke, das die Zeitgeschichte hervorgebracht hat, erhalten werden kann."

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