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So sieht es in Erich Honeckers Atombunker aus

von Michael Klug

Die unterirdische Anlage ist mehrere Stockwerke hoch - ein Bunker, in dem die DDR-Staatsführung unterkommen sollte, das technisch aufwendigste Bauwerk im gesamten Ostblock. Der Beton-Brocken kann ab August erstmals besichtigt werden. Aber nur für drei Monate - dann wird er endgültig geschlossen. Morgenpost Online zeigt, wie es drinnen aussieht.

Es ist nur eine Legende, doch sie passt zu dem Ort. Keine zwanzig Minuten, so erzählen es ehemalige Wachsoldaten, soll Erich Honecker im Atombunker von Prenden gewesen sein. Mit sichtbarem Unbehagen habe er den Ort nordöstlich von Berlin betrachtet und sei dann in Richtung Stadt enteilt. Im Falle eines Atomschlags hätten Honecker und sein SED-Politbüro fast zwei Wochen lang in dem Betoncontainer unter Kiefernwäldern ausharren müssen. Erst dann wären sie mit Spezialfahrzeugen zum nächstgelegenen Flugplatz gebracht und ausgeflogen worden.

Hannes Hensel und Thomas Bergmann halten es schon vier Jahre im Prendener Bunker aus. Anfangs nur sporadisch, schlüpfen die beiden Mitglieder des Berliner Bunkernetzwerkes mittlerweile fast täglich durch ein winziges Loch in das unterirdische Reich.

„In erster Linie bewahren wir hier den Bestand vor seiner endgültigen Zerstörung", erklärt Hensel. Dazu turnen er und Bergmann durch den mehrstöckigen Bau, überprüfen das Inventar und bringen Alarmanlagen an. Außerdem fotografieren sie den Bunker. „Weit über tausend Bilder haben wir bislang gemacht. Vom Lüftungsschacht bis zur Krankenstation ist alles dokumentiert", sagt Hobbyfotograf Bergmann.

Aus dem Bunker wurde ein Ausflugsort

Was sich nach einer verrückten Freizeitbeschäftigung zweier Großstadtjungs anhört, ist in Wahrheit eine clevere Geschäftsidee. Denn im Gegenzug für ihre Bewacherdienste haben der 37-jährige Hensel und der acht Jahre jüngere Bergmann vom Berliner Senat die Nutzungsrechte für den Bunker erhalten. Und bieten nun das einzigartige Refugium Abenteuerhungrigen als Ausflugsort an.

„Erstmals in der Geschichte des Bunkers wird es ab August überhaupt möglich sein, das Objekt zu betreten", sagt Hensel und verspricht einzigartige Erlebnisse. „Auf technisch Interessierte wartet das aufwendigste Bauwerk seiner Art im gesamten Ostblock."

Der Bunker mit dem militärischen Codenamen 17/5001 wurde zwischen 1978 und 1983 in dem kleinen Dorf Prenden nördlich von Berlin gebaut. Der Container umfasst eine Grundfläche von 65 mal 55 Metern und wurde mit mehreren Stockwerken über 24 Meter tief in die Erde versenkt.

Verarbeitet wurden für den Bunker 45.000 Kubikmeter Beton und mehrere Tausend Tonnen Stahl. Um die Druckwelle einer Atombombe abzufangen, wurde das komplette Innenleben des Bunkers an Stahlseilen aufgehängt und auf Stickstoff befüllten Stoßdämpfern gelagert. Eigens entwickelte Anlagen zur Wasser- und Luftaufbereitung sollten dafür sorgen, dass 400 Menschen zwei Wochen lang ohne Kontakt zur Außenwelt überleben können. Der Bunker gilt als technisch aufwendigstes Bauwerk im gesamten ehemaligen Ostblock.

Die geführten Touren gehen vorbei an Dekontaminierungsduschen, Stickstoffstoßdämpfern und einer unterirdischen Kantine. Sogar in Honeckers Schlafkabine haben Hensel und Bergmann eine Lampe gelegt. „Für ganz harte Jungs", ergänzt Hensel, „gibt es noch Exkursionen durch die Lüftungsschächte."

Nach der Wende übernahm die Bundeswehr das Objekt und rüstete es bis 1994 technisch ab. Vor der Übergabe an den Berliner Senat als Eigentümer wurde der Bunker mit Beton versiegelt. In den Folgejahren kam es jedoch häufiger zu Einbrüchen durch Schrottdiebe und Bunkertouristen. Von der ursprünglichen Einrichtung sind heute nur noch Reste übrig.

Seit 2003 ist der Bunker als technisches Denkmal eingestuft und wird seit 2004 vom Berliner Verein Bunkernetzwerk betreut. Im Anschluss an die Öffnung von August bis Oktober 2008 soll der Bunker endgültig versiegelt und abgedeckt werden.

Die Zahl jener, die sich für diese Touren begeistern könnten, schätzt Hensel auf mehrere Tausend. „Unsere Klientel reicht vom Bunkerfan bis zum ehemaligen Bediensteten der Nationalen Volksarmee." Hunderte Anfragen aus dieser Richtung lägen bereits vor. Neben der Einzigartigkeit des Bunkers dürfte vor allem die Endlichkeit des Angebots die Nachfrage steigern.

Im November werden die Türen endgültig geschlossen

Ganze drei Monate halten Hensel und Bergmann den Bunker geöffnet, dann schließen sie die Stahltüren für immer. „Spätestens im November ist Schluss. Dann wird Beton darüber gekippt und niemand kommt mehr rein", sagt Hensel. Für zu spät Gekommene wird der Militärbunker nur noch als interaktive Bilderschau im Internet zu sehen sein.

Unabhängig vom Erfolg des Projekts wollen die beiden dann auch gar nichts mehr mit dem Bunker zu tun haben. Hobbyfotograf Bergmann plant bereits eine Reise zu seiner Freundin nach Afrika. „Auf unbestimmte Zeit" wie er sagt. Und Hannes Hensel zieht es in die USA. Dort will er als Softwareentwickler einen Neuanfang wagen.

Vom 2. August bis Ende Oktober 2008 kann der Bunker besichtigt werden. Eine Standardrunde führt Besucher in drei Stunden durch die wichtigsten Räume des Objekts. Zu sehen sind unter anderem die Dekontaminierungsstation, die Leitzentrale, Honeckers Schlafraum und die Großküche. Teilnehmer der „Tough-Guy"-Touren dürfen zudem durch Lüftungsschächte und Maschinenräume klettern. Die Standardbegehung kostet 20 Euro, die Spezialtour 100 Euro. Buchbar sind die Touren im Internet.

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